Praktische Physik

Hier auf dem Campo wird Nachbarschaftshilfe noch groß geschrieben. Logischerweise – denn in Paraguay ist das Leben noch nicht von der Wiege bis zur Bahre staatlich durchorganisiert. So hilft man sich eben, wo man kann und wer ein Auto hat, ist ein immer gern gesehener Helfer. Sei es, wie es uns auch schon passierte, dass man ein krankes Kind ins Krankenhaus fährt, oder wie neulich, wir helfen konnten, die Einfahrt zu verschönern.

Wir waren auf dem Weg nach Caacupé und sahen am Straßenrand eine Mutter mit ihrem etwa 10jährigen Sohn, die versuchten einen bestimmt 100 kg schweren Stein ihre Einfahrt hochzuziehen.Der Vater war in praktischer Physik deutlich bewanderter,denn er stand daneben trank Tereré und half erst gar nicht.Kurzerhand hielten wir an,banden den Stein an unsere Anhängerkupplung und zogen ihn in 10sek an den ihm zugewiesenen Platz.

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Gross war die Freude bei Mutter und Sohn und selbst der Vater von der Aktion sichtlich angetan 😉 und wir werden jetzt jedes mal wenn wir dort vorbeifahren freundlich gegrüsst.

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Hin und zurück…

Wir leben jetzt seit fast 2 Jahren in unserem neuen Haus in Paraguay und so langsam kommen auch einige der vielen hundert, die ihren Besuch angekündigt hatten 🙂 . Bekannte, die schon länger hier leben hatten gesagt, ihre Faustformel laute: Von hundert, die kommen wollen, kommen letztendlich zwei 😉 Katja´s Mutter Usch, die nicht allzu begeistert von unserer Auswanderung war, hat sich dennoch durchgerungen, uns hier zu besuchen. Doch weil sie in ihrem Leben noch nie geflogen ist, spielte Katja den „Fluglotsen“, verband das Angenehme mit dem Nützlichen, flog für 14 Tage nach Deutschland und besuchte erstmals ihre 7 Monate alten Nichten.

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Nach einigen weiteren Besuchen und Einkäufen, machte sie sich mit Usch und ca. 110 kg Gepäck! auf die Rückreise. Da sich Usch´s Urlaube bisher in Europa abgespielt hatten, war das pralle, südamerikanische Leben erst mal ein Kulturschock. Um ihr zu zeigen, dass wir hier nicht ganz hinter dem Mond leben, machte Katja einen Tagesausflug nach Asuncion in eine große Shopping-Mall und auch die obligatorischen Besuche der Basilika, der Töpferstadt Aregua und dem schönen Städtchen San Bernardino standen auf dem Programm.

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Da wir hier im Moment Frühjahr mit den entsprechenden Gewittern haben, lernte sie auch gleich überflutete Straßen und Stromausfälle kennen. Doch meist war das Wetter angenehm und so vergingen die 14 Tage wie im Fluge. Was natürlich bei einem Südamerikatrip auch nicht fehlen darf, ist ein Ritt durch die fast unberührte Natur Paraguays. Das Glück dieser Erde liegt ja bekanntlich auf dem Rücken der Pferde, wenn man jedoch noch nie geritten ist, kann man dieses Glück auch im Schritt über die Koppel genießen.

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Nach 14 Tagen Paraguay hat Usch jetzt bei 5 Grad und Nieselregen beim Treffen mit ihren Freundinnen bestimmt erst mal genug zu erzählen… 😉

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Baukunst :-)

Wer Paraguay kennt, weiß, dass im Allgemeinen die handwerkliche Ausbildung nicht mit dem dualen System in Deutschland zu vergleichen ist. Wer ein Schweißgerät sein Eigen nennt, ist ein Schweißer und wer eine Maurerkelle halten kann ist ein Maurer. Dann passieren solche Sachen wie auf folgenden Fotos, was dort zu sehen ist, ist keine antike Ruine, sondern ein gerade abgeschlossener Neubau nach einem durchschnittlichen Gewitter .

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Da auch Garantie hier ein Fremdwort ist, hat der Bauherr hier den Schaden und sofern er nicht das Geld hat und frisch anfangen möchte zu bauen, liegt die Hütte bis zu ihrem Verfall hier so rum.

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Auch das ist Paraguay

Als wir gestern morgen nach Caacupé zum Frühstücken fahren wollten, passierte uns eine  unschöne Begebenheit. Wir haben lange hin und her überlegt, ob wir in unserem Blog darüber berichten sollen, uns aber letztendlich doch dazu entschlossen, dies hier einzustellen. Wie überall auf dieser Welt ist auch hier das Leben nicht nur Ponyhof und wie schon öfter berichtet, ist der hiesige Umgang mit Tieren für einen empathischen Mitteleuropäer oft nicht nach zu vollziehen. Besonders oft trifft es Hunde, da sie nicht zum Nutzvieh zählen und deshalb die meisten keinen Guarani für Impfung und Pflege augeben. Viele Hündinnen bekommen bei jeder Läufigkeit Welpen, von denen der Großteil keine 3 Monate alt wird und was uns immer wieder zornig macht ist: Für Moto, Handy usw. ist meist Geld vorhanden, aber um einer Hündin für umgerechnet 5€ jährlich eine läufigkeitunterdrückende Spritze zu geben, ist keine Kohle vorhanden.

So fanden wir dann auch gestern einen kleinen Hund, der mitten auf der Calle 5 lag und zu schwach war, um zu laufen. Der kleine Kerl hatte Leishmaniose im Endstadium und wahrscheinlich noch einiges mehr. Also packten wir ihn in unser Auto und fuhren zu Felipe, unserem Tierarzt. Und so erwiesen ihm Menschen zu Guter Letzt doch noch etwas Gutes und erlösten ihn mittels einer Spritze von seinen Leiden. Während Felipe ihm die Spritze setzte, gaben wir ihm ein wenig Futter, welches wir immer im Auto haben, was er dankbar annahm und uns dabei anwedelte. Zu Hause begruben wir ihn dann auf unserer Weide.

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Nach obigem Foto wird wohl niemand mehr glauben, in Deutschland ginge es irgendeinem Hund schlecht 🙁 Wir haben uns nach 3 Jahren immer noch nicht an dieses Elend gewöhnt und das Schlimme ist, das man auch mit dem besten Willen nur ganz wenig helfen kann.

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Inoffizielle paraguayische Nationalhymne ;-)

Da wir in letzter Zeit öfters folgendes Lied im Radio gehört haben und dieses ziemlich genau das paraguayische Lebensgefühl trifft, haben wir beschlossen, unsere Leser an diesem Teil der paraguayischen Kultur teilhaben zu lassen 😉

Für all jene, welche die Videos nicht öffnen können, bei youtube No Quiero trabajar eingeben vielleichtb duds 😉

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Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt…

… es ist allerdings nicht März und unser Nachbar Hidalgo hat auch nicht die Rösslein, sondern die Öchslein eingespannt. Jedoch haben wir jetzt Frühling mit angenehmen Temperaturen, meist so um die 25 Grad und daher ist die Zeit gekommen, um größere Arbeiten im Freien zu erledigen. Nachdem wir dieses Jahr einen langen und harten Winter hatten und unsere Weiden, die normalerweise locker für unsere 4 Pferde reichen, nicht mehr viel hergaben, beschlossen wir für nächstes Jahr vorzusorgen. Wir engagierten Hidalgo samt seinen zwei Ochsen und ließen ihn ca. 2000-3000 qm umpflügen.

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Nach knapp 2 Stunden war die ganze Sache erledigt und unser Aldo kann nun anfangen unseren riiieeesigen Berg Pferdemist abzutragen und auf das frisch gepflügte Feld zu verteilen.

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Auf diesem Stück wollen wir dann Pasto Camerun pflanzen und wie schnell das Zeug wächst, sieht man auf dem Foto unten, dieses Camerun ließ sich Katja von Aldo vor ca. einem halben Jahr als Schattenspender für ihren Gemüsegarten pflanzen.

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Damit das Gras auch den nächsten Winter erlebt, müssen Thomas und Aldo das Ganze noch einzäunen und mit Elektrozaun sichern, sonst schlagen sich unsere Gäule schon im Sommer den Wanst voll.

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Spanischunterricht mal anders…

Oft werden wir über unseren Blog nach Tipps und Ratschlägen zum Auswandern nach Paraguay gefragt, an vorderster Stelle stand für uns dabei schon immer, die Landessprache zu beherrschen. Diesen Ratschlag haben wir auch selbst von Anfang an getreulich befolgt und schon in Deutschland und später auch hier immer wieder Spanischunterricht genommen. Nun kommen wir mit unserem „castellan“ im täglichen Leben gut durch, was uns aber noch nicht genug ist. Also unterrichtet uns seit einiger Zeit einmal wöchentlich Dora, eine Paraguayerin, die hier Lehramt studiert hat. Da wir uns unseren Schulbetrieb selbst aussuchen konnten und auch den Lehrplan aktiv mitgestaltet haben, ist das Ganze doch recht angenehm. Hauptsächlich machen wir mit Dora Konversation, wobei sie uns bei fehlenden Wörtern und/oder falschen Zeiten korrigiert. So haben wir letztes Mal z.B. über das nur rudimentär vorhandene paraguayische Schulsystem geredet 😉 und dieses Mal typisch paraguayische Kochrezepte diskutiert, woraufhin wir gleich zusammen Tortillas gebacken haben.

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Da Tortillas sehr einfach zu machen sind, vergleichbar ungefähr mit Pfannkuchen, gelangen sie auch auf Anhieb und Katja´s Salat mit Birnen und Walnüssen rundete das kulinarische Erlebnis ab 🙂 🙂 🙂

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Dora selbst gefällt diese Art des Unterrichtens selbst äußerst gut und so haben wir schon vereinbart, dass sie demnächst mit ihrer Mutter kommt und wir zusammen „chipa guazu“, eine Art paraguayischer Maiskuchen, machen.

Für die, die es interessiert, hier das Rezept:

2-3 Eier verquirlen, danach 150 ml Wasser und 100 ml Milch mit 2-3 TL Salz mischen und zu den Eiern geben. Unter ständigem Rühren so lange Mehl zugeben (ca. 400-500g) bis ein dünner Teig entsteht. Nach belieben Frühlingszwiebeln und ca. 100g Queso paraguayo* klein verkrümelt zugeben. Wie Pfannkuchen in einer Pfanne mit reichlich Öl ausbacken.

*Queso paraguayo ist eine landestypische Spezialität, die dem ungewohnten Gaumen eines Mitteleuropäers nicht unbedingt schmeichelt und ist von der Konsistenz her ähnlich unserem Feta, allerdings nicht so würzig.

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Ultimo vez

Nachdem Pia und Ute 10 Jahre lang in Paraguay gearbeitet und ihr Geld verdient haben, nähern sich beide nun der Pensionsgrenze und beschlossen daher vor etwa einem Jahr, ihr Anwesen samt Restaurant und Appartments zu verkaufen. Seit die Flüchtlingskrise Deutschland erfasst hat, haben wir hier in Paraguay eine abgeschwächte Form ebendieser Krise, d.h. seit ca. einem Jahr haben wir über unseren Blog und auch andere Bekannte eine rege Nachfrage von Auswanderungswilligen. Das ist aber eine andere Geschichte und vielleicht einmal einen eigenen Blogeintrag wert.

So war es nicht verwunderlich, dass Pia und Ute innerhalb eines Jahres deutsche Käufer fanden, denen das Pflaster dort drüben zu heiß wird und die in einem ruhigen, stressfreien und warmen Land leben wollen. Letzten Samstag nun war das ultimativ letzte Mal, dass Restaurantbetrieb im „Petit Reina“ war und  so genossen wir ein letztes Mal Pia´s hervorragende Küche samt dazugehörigem Ambiente. Speziell uns wird das sehr fehlen, da wir immer unsere Urlaube dort verbracht haben, sämtliche Appartments, sowie das Haus schon bewohnt haben und uns dort immer wohlgefühlt hatten.

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Auch kulinarisch kamen wir an diesem Samstag nicht zu kurz, Pia hatte noch einmal ein Buffet gezaubert, das keine Wünsche offen ließ.

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Auch für die beiden war es ein Abschied mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Sie haben nun endlich mehr Zeit für sich selbst und für Reisen, außerdem sind sie schon mitten im Bau ihres neuen Heims und haben damit schon wieder genug zu tun…

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Privat werden wir uns jetzt wahrscheinlich sogar öfter sehen 😉

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Fußpflege :-)

Vier Beine, an jeder Ecke eins: Das war so ziemlich das Einzige, was Thomas vor 4 Jahren über Pferde wußte. Dann nahm er in Deutschland in Hinsicht auf unsere Auswanderung und dem damals schon festen Willen, sich in Paraguay Pferde anzuschaffen, Reitunterricht. Nachdem Thomas in einer kalten, zugigen Halle hübsch ausstaffiert mit Reithosen, Reitstiefeln und ganz wichtig: Reithelm einige Stunden genommen hatte, verpuffte sein Elan doch merklich 😉 Obwohl es damals nicht der Beginn der großen Reiterliebe war, schafften wir uns hier Pferde an. Mit Jeans und Cowboyhut reitet Thomas seitdem richtig landestypisch in den Sonnenuntergang… 🙂

Unsere ehemaligen Nachbarinnen Pia und Jeanette waren richtige Pferdenärrinnen und sie hatten sich auch schon früher in Deutschland, bzw. in der Schweiz viel mit Pferden gearbeitet. So lernten wir unter anderem von den beiden viel über Fütterung, Pflege und Haltung. Da die Hufe einen großen Teil der Pferdepflege ausmachen, schmieden wir seitdem unsere Eisen selbst 🙂

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Ähhhh, halt! Natürlich brauchen wir hier keine Hufeisen, jedoch regelmäßig Hufwand mit Zange und Feile kürzen müssen wir natürlich auch. Ebenso wird die Sohle und der Hufstrahl kontrolliert und gegebenenfalls mit einem Spezialmesser bearbeitet.

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Da wir keine gelernten Hufschmiede sind, ist unsere Arbeit keinesfalls perfekt, doch da unsere Rösser den ganzen Tag auf der Weide stehen und nur auf Sandwegen geritten werden, sind kleine Abweichungen der Bearbeitung irrelevant. Da es eine schweißtreibende Schweinearbeit ist, kommt wöchentlich nur ein Pferd zur Pediküre, wir sind ja schließlich nicht zum Malochen ausgewandert 🙂

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Café Creativa

Eines der wenigen Dinge, mit denen wir uns hier nie anfreunden werden, ist das paraguayische Brot. Gott sei Dank gibt es in Caacupé seit ca. 2 Jahren das „Café Creativa“.

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Eine junge Österreicherin, Erika, betreibt es und da sie außerdem gelernte Bäckerin ist, ist seitdem unsere Versorgung mit mitteleuropäischen Vollkorn- und Roggenbroten sicher gestellt. Zwar backt Katja den größten Teil unseres Brotes selbst, doch ab und zu ein leckeres Ciabatta oder Nussbrot runden unser Frühstücksbuffet ab.

Mindestens einmal die Woche frühstücken wir dort auch und da das „Creativa“ in ihrem Namen nicht nur obligatorisch ist und Erika´s Angestellte Anna auch ein Händchen für liebevolle und kreative Dekoration hat, ist das Frühstück dort immer wieder ein Genuß.

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Nun hat Katja vor einigen Monaten das Häkeln für sich entdeckt und dank ihrer fundierten deutschen Erzieherinnenausbildung dabei auch schon eine gewisse Professionalität erreicht 🙂 Da häkeln nun ja auch ein wenig kreativ ist und zu Hause langsam der Platz knapp wurde, bot es sich an bei Erika einige Teile zum Verkauf auszulegen. Reich werden wir damit bestimmt nicht, aber erstens haben wir zu Hause wieder mehr Platz 😉 und sollte sich wirklich das ein oder andere verkaufen, hat Katja wenigstens die Ausgaben für ihre Wolle wieder.

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